Schlaganfall




Was genau ist ein Schlaganfall?

Unter einem Schlaganfall versteht man einen unvermittelt ("schlagartig") einsetzenden Ausfall bestimmter Funktionen des Gehirns. Der Grund ist zumeist eine Mangeldurchblutung oder plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn. Dafür verantwortlich ist in den meisten Fällen eine Verkalkung (Arteriosklerose) der hirnversorgenden Blutgefäße.

Wie macht sich ein Schlaganfall bemerkbar?

Lähmungserscheinungen, Gangunsicherheit oder Seh- und Sprachstörungen sind die Folge. Die Mangeldurchblutungen im Gehirn können vorübergehend bestehen und sich binnen Minuten oder Stunden zurückbilden (= TIA, transitorisch ischämische Attacke). Wenn die mit der Mangeldurchblutung verbundenen Ausfallerscheinungen länger als einen Tag anhalten, liegt ein vollendeter Schlaganfall vor. Meist ist es dann bereits zu einer nicht mehr zu behebenden Schädigung von Hirngewebe gekommen.

Ein Schlaganfall kommt nicht aus heiterem Himmel!!!

Bis zu 40 % aller Schlaganfälle kündigen sich durch bestimmte Warnsymptome an. Wer sie ernst nimmt, kann einen Schlaganfall verhindern oder zumindest dessen Folgen begrenzen.

Bei etwa jedem dritten Schlaganfall sind im Vorfeld folgenden Symptome zu bemerken:

  • vorübergehende Lähmungen/Schwäche oder Taubheit einer Körperhälfte
  • kurzes Erblinden oder Sehstörungen, wie z.B. Sehen von Doppelbildern.
  • kurzzeitige Sprachstörungen
  • Drehschwindel, Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen, plötzliche Stürze
  • Erstmalig und plötzlich auftretender, extrem starker Kopfschmerz
  • Vorübergehende Bewusstseinsstörungen


Sofort in das nächste Krankenhaus!


Diese Symptome können einige Minuten, einige Stunden, manchmal bis zu 24 Stunden anhalten. Sie beginnen plötzlich und können vollständig wieder abklingen. Trotzdem: die Fahrt in das nächstgelegene Krankenhaus ist Pflicht. Folgt den Frühwarnsymptomen ein Schlaganfall, ist der Patient versorgt.

Wie ein Schlaganfall entsteht


Zumeist (in 70 bis 80 % der Fälle) entsteht ein Schlaganfall durch eine Durchblutungsstörung bzw. Mangeldurchblutung des Gehirns.
Im Wesentlichen kann dies zwei Ursachen haben:

  • Thromboembolie


Eine Arterie wird durch einen Blutpfropf (Thrombus) verschlossen, der sich z.B. im Herzen oder in den großen, zum Gehirn führenden Gefäßen gebildet hat. Von dort kann sich der Thrombus lösen und mit dem Blutstrom in das Gehirn gelangen.

  • Verschluss einer Hirnarterie durch Gefäßverkalkung


Durch die sogen. Arteriosklerose direkt an den Hirngefäßen oder den hirnversorgenden Gefäßen werden die Gefäße eingeengt oder verschlossen. Wenn große Hals- oder Hirnarterien verschlossen sind, werden größere Hirnareale nicht mehr ausreichend durchblutet. Es können aber auch kleinste Arterien im Inneren des Gehirns verschlossen werden.

  • Hirnblutungen


Ein Schlaganfall kann auch (zu 10 bis 15%) durch Blutungen im Inneren des Gehirns (sogen. Hirnblutungen) entstehen. Dabei tritt Blut unter hohem Druck aus geplatzten, meist durch Arterienverkalkung geschädigte Gefäße in das umliegende Hirngewebe. Ursache ist meist hoher Blutdruck.

2 bis 5 % der Schlaganfälle werden durch so genannte Subarachnoidalblutungen verursacht. Das ist eine Blutung in dem Raum zwischen Gehirn und der weichen Hirnhaut (Arachnoidea)

Ein Schlaganfall kommt nicht in Minuten, sondern in Jahrzehnten

Ein Schlaganfall kann jeden treffen - vom Säugling bis zum Greis.
Grundsätzlich ist der Schlaganfall keine reine "Alterskrankheit". Allerdings: die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, steigt mit zunehmendem Alter.

Einem Schlaganfall können nicht beeinflussbare und beeinflussbare Risikofaktoren zugrunde liegen. Wichtig zu wissen ist, dass die Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen (Schlaganfall, Herzinfarkt, arterielle Verschlusskrankheit) sich gegenseitig beeinflussen und dieses negative Zusammenspiel sich in einem erhöhten "globalen" Gesamtrisiko äußert

Nicht beeinflussbare Faktoren:

  • Alter

Das Schlaganfall-Risiko steigt mit zunehmendem Lebensalter deutlich an. So ereignen sich ca. 50% aller Schlaganfälle in der Altersgruppe der über 75-jährigen. Aber auch jüngere Menschen können einen Schlaganfall erleiden. Man schätzt, dass ca. 15% aller Schlaganfall-Patienten jünger als 45 Jahre sind.

  • Vererbung


Ist in der Familie bereits ein Schlaganfall aufgetreten, sollten Familienmitglieder unbedingt eine konsequente Vorbeugung betreiben. Besonders dann, wenn eine oder mehrere der folgenden vererbbaren Erkrankungen aufgetreten sind. Bluthochdruck, Störungen der Blutgerinnung, Herzfehler, Diabetes mellitus und Fettstoffwechsel- störungen.

Beeinflussbare Faktoren

Damit Sie wissen, worauf Sie achten sollten, finden Sie hier die wichtigsten Risikofaktoren.

  • Anti-Phospholipid-Syndrom! (SLE) (*)
  • Bluthochdruck
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Diabetes mellitus
  • Vorhofflimmern
  • Rauchen
  • Alkohol
  • Fehlernährung bei Übergewicht
  • Bewegungsmangel



(*) Das Antiphospholipid-Syndrom ist eine häufige Ursache von Schlaganfällen bei jungen Patienten. Immer, wenn ein Patient unter 45 Jahren einen Schlaganfall erleidet, ohne daß ansonsten irgendwelche Risikofaktoren wie stark erhöhter Blutdruck oder eine schwere Fettstoffwechselstörung vorliegen, sollte an ein Anti-Phospholipid-Syndrom gedacht werden.



Gemeinsamer Nenner der meisten Risikofaktoren und die Ursache für die meisten Schlaganfälle ist die Artherossklerose. Durch die Einlagerung von Cholesterin, Blutzellen, Bindegewebe und Kalksalzen wird die normalerweise elastische Gefäßwand zunehmend starr. Die glatte Innenwand der Gefäße wird rau, die Ablagerungen wachsen an, so dass sich das Gefäß immer mehr verengt. Dort können Blutgerinnsel (Thromben) entstehen, die in kleinere Hirnarterien geschwemmt werden können und diese verschließen. Vorbeugung tut Not
Bei erhöhtem Blutdruck, Diabetes und Herzrhythmusstörungen sofort zum Arzt! Gemeinsam lassen sich Behandlungsstrategien entwickeln und damit eine Verringerung des Schlaganfall-Risikos erreicht werden.


Bewegungsmangel ausgleichen

Bewegungsmangel ausgleichen und Sport machen! Das ist gut für den ganzen Körper, Sportart und Dauer hängt aber vom Alter und vom Gesundheitszustand des Patienten ab. Optimal ist ein Training von 3mal die Woche, jeweils für eine halbe Stunde. Geeignete Sportarten sind: Wandern, Joggen, Schwimmen und Fahrrad fahren.

Ernährung umstellen
Tierische Fette durch pflanzliche mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren (z.B. kalt gepresstes Sonnenblumen-, Maiskeim- oder Olivenöl, Diätmargarine) ersetzen. Fette Fleisch- und Wurstwaren, Innereien, Käse mit hohem Fettanteil und überhaupt alles Fette aus der Küche verbannen. Kurse über gesunde Ernährung bietet die Krankenkasse an!

mit Rauchen aufhören
Das gilt auch für Raucherentwöhnungskurse. Um gesund zu bleiben und das Schlaganfall-Risiko so gering wie möglich zu halten: Rauchen aufgeben!

 


Auch Kinder können Schlaganfälle erleiden



Zwar kein Tabuthema, trotzdem aber weitestgehend unbekannt:

Auch Kinder können einen Schlaganfall erleiden. Statistisch gesehen erkranken von 100 000 Kindern rund 2 pro Jahr an einem Schlaganfall.
Experten gehen davon aus, dass an die 200-300 Kinder in Deutschland jährlich einen Schlaganfall erleiden, wobei die Dunkelziffer wahrscheinlich um einiges höher ist. Doch bei fast einem Drittel dieser Fälle ist die Ursache des Schlaganfalls unbekannt. Auch über die richtigen Behandlungsmethoden herrscht Unklarheit.

Herz- und Gefäßkrankheiten häufigste Ursache
Im Rahmen der ESPED-Studie (Erhebungseinheit für seltene pädiatrische Erkrankungen in Deutschland) wurden bisher rund 500 Schlaganfall Kinder untersucht. 44% der Kinder waren zwischen 6 Monaten und 8 Jahre alt, als sie einen Schlaganfall bekamen. Jeweils fast 30 % waren bis zu 6 Monate alt oder zwischen 9 und 18 Jahren.

Im Gegensatz zu erwachsenen Schlaganfall-Patienten sind Bluthochdruck oder Arteriosklerose selten die Ursachen für einen kindlichen Schlaganfall. Oft sind es Herz- oder Gefäßerkrankungen, die in Kombination mit einem akuten Auslöser (z.B. Operation, Trauma, Infektion) zum Schlaganfall führen.

Diagnose bei Kindern oft mangelhaft

Oft wird der Schlaganfall bei einem Kind zu spät oder gar nicht diagnostiziert.
Manchmal kommen auch falsche Behandlungsmethoden zum Einsatz. Zum Beispiel werden Therapien, die für erwachsene Schlaganfall-Patienten gut und richtig sind, auf Kinder übertragen. Das aber ist nicht immer die richtige Behandlung. Vieles ist noch nicht genügend erforscht, über manche Therapien gibt es Sinndiskussionen in der Ärzteschaft. So gibt es Ärzte, die sagen, es sei nicht weiter schlimm, wenn ein Kind keine Therapie bekäme. Im Moment können diese Aussagen weder widerlegt noch bestätigt werden. Die kindliche Schlaganfall-Forschung steht noch am Anfang.


Selbsthilfegruppen für Schlaganfall bei Kindern

Auf dem Erfahrungsaustausch in Vechta trafen sich ca. 50 Väter und Mütter von Schlaganfall-Kindern. Jetzt sollen in verschiedenen Städten Deutschlands Selbsthilfegruppen von und für betroffene Eltern gegründet werden. Auch soll es einen regelmäßigen Austausch mit anderen betroffenen Eltern geben.

Ansprechpartner ist dabei die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Von hier aus soll auch eine große Öffentlichkeitskampagne starten, damit das Thema "Kinder und Schlaganfall" zum Thema innerhalb der Öffentlichkeit und unter den Ärzten wird.

Quelle: Stiftung deutsche Schlaganfall-Hilfe (www.schlaganfall-hilfe.de)